ASUS ProArt X670E-Creator WiFi: das Board, das man nie erwähnt
Inhalt — 9 Abschnitte
- Was das Board überhaupt ist
- Dreieinhalb Jahre Alltag — was sich geändert hat
- Warum es die ProArt-Reihe wurde
- Der eigentliche Hebel: vier Speichersteckplätze, die man trotzdem nicht voll macht
- Technische Daten
- Bevor du kaufst: X670E ist nicht automatisch nötig
- Für wen sich das lohnt
- Mein Fazit nach dreieinhalb Jahren
- Häufige Fragen
Servus Leute,
über ein Mainboard schreibt niemand gern. Es ist das Bauteil, das man einmal einbaut und dann nie wieder sieht, und wenn man doch darüber redet, ist meistens etwas kaputt. Bei mir ist in dreieinhalb Jahren nichts kaputtgegangen — das ASUS ProArt X670E-Creator WiFi liegt seit 2023 unter allem anderen und tut, was es soll.
Und zwar zweimal: Dasselbe Board trägt bei mir sowohl den Spiele- als auch den Streaming-Rechner. Wenn ich ein Bauteil zweimal kaufe, ist das die ehrlichste Empfehlung, die ich aussprechen kann.
Trotzdem lohnt sich ein Blick darauf, denn ich habe hier bewusst mehr ausgegeben als nötig. Ob sich das gelohnt hat, lässt sich nach dreieinhalb Jahren ehrlicher beantworten als nach drei Wochen.
Was das Board überhaupt ist
Ein ATX-Mainboard für den Sockel AM5, also für AMDs aktuelle Ryzen-Generationen, mit dem X670E-Chipsatz. Das E am Ende steht für die volle PCIe-5.0-Unterstützung — sowohl für die Grafikkarte als auch für mindestens einen der M.2-Steckplätze.
Die ProArt-Reihe ist ASUS' Linie für Leute, die mit dem Rechner arbeiten. Kein RGB-Gewitter, keine Drachen auf der Abdeckung, dafür ein schwarz-goldenes, ruhiges Design und eine Anschlussliste, die sich von den Spielerbrettern deutlich unterscheidet.
Dreieinhalb Jahre Alltag — was sich geändert hat
Der Rechner ist seit 2023 zweimal umgebaut worden: 2025 kam die RTX 5090 hinein, 2026 eine zweite NVMe-SSD. Beides ging ohne BIOS-Drama, ohne neue Treiber, ohne Rätselraten.
Beim Grafikkartenwechsel hat sich ein Detail bezahlt gemacht, das im Datenblatt nur eine Zeile ist: Der obere PCIe-Steckplatz hat einen Entriegelungsknopf. Wer schon einmal versucht hat, den Haltehebel einer Grafikkarte zu erreichen, über der ein Kühlkörper von der Größe eines Ziegelsteins hängt, weiß, was das wert ist. Bei einer 5090 kommt man an den Hebel mit normalen Fingern schlicht nicht mehr heran.
Der zweite Punkt ist banal und trotzdem der häufigste Ärger an Mainboards: Die M.2-Kühler sitzen unter Klappdeckeln ohne Schrauben. Eine SSD nachzurüsten war eine Sache von zwei Minuten, nicht von zehn winzigen Schrauben auf einem Teppichboden.
Warum es die ProArt-Reihe wurde
Zwei Gründe, und beide stehen auf der Rückseite des Gehäuses.
Thunderbolt 4. Das Board bringt zwei Thunderbolt-4-Buchsen mit, fest verbaut. Das ist auf AM5 immer noch die Ausnahme, weil Thunderbolt lange Intel-Gebiet war. Wer schnelle externe Laufwerke oder ein Dock anschließen will, spart sich damit eine Steckkarte — und einen Steckplatz, den bei mir die Grafikkarte ohnehin zubaut.
10-Gigabit-Netzwerk. Dazu kommt ein zweiter Anschluss mit 2,5 Gigabit. Auch das ersetzt eine Karte. Für den Weg ins Internet ist das vollkommen sinnlos — kein Anschluss zu Hause liefert das. Für den Weg zum eigenen Netzwerkspeicher ist es der Unterschied zwischen „Datei kopieren und Kaffee holen" und „Datei kopieren".
Genau hier liegt aber auch der ehrliche Haken: Wer beides nicht braucht, zahlt für nichts. Die Rechenleistung ist auf einem halb so teuren Board identisch, weil sie im Prozessor steckt, nicht im Mainboard.
Der eigentliche Hebel: vier Speichersteckplätze, die man trotzdem nicht voll macht
Das Board hat vier DDR5-Steckplätze. Der naheliegende Gedanke ist, alle vier zu bestücken. Ich habe es nicht getan, und das war richtig.
Bei DDR5 auf AM5 gilt eine unangenehme Regel: Zwei Riegel laufen schneller und stabiler als vier. Mit vier bestückten Steckplätzen muss der Speichercontroller im Prozessor deutlich mehr leisten, und die hohen Taktraten, für die man den Speicher gekauft hat, sind oft nicht mehr stabil zu halten.
Deshalb stecken bei mir zwei Riegel zu je 32 GB drin, macht 64 GB, und die zwei freien Steckplätze bleiben frei. Wer später aufrüsten will, tauscht besser die beiden Riegel gegen größere, statt die freien Plätze zu füllen. Das klingt nach Verschwendung, ist aber die Zusammenstellung, die läuft.
Technische Daten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Sockel | AM5 |
| Chipsatz | AMD X670E |
| Bauform | ATX |
| Arbeitsspeicher | 4 Steckplätze DDR5, Dual-Channel |
| Grafikanschluss | PCIe 5.0 |
| M.2-Steckplätze | 4, davon mindestens einer mit PCIe 5.0 |
| Thunderbolt | 2 Anschlüsse Thunderbolt 4 (USB-C) |
| Netzwerk | 10 Gigabit und 2,5 Gigabit |
| Drahtlos | Wi-Fi 6E und Bluetooth |
| Besonderheiten | Entriegelungsknopf am Grafiksteckplatz, werkzeuglose M.2-Deckel |
Herstellerangaben ASUS, Stand: August 2026. Die genaue Aufteilung der M.2-Steckplätze hängt davon ab, welcher Prozessor eingebaut ist.
Bevor du kaufst: X670E ist nicht automatisch nötig
Der Chipsatz kostet Aufpreis, und der lohnt sich nicht für jeden.
- X670E gibt volle PCIe-5.0-Bandbreite an Grafikkarte und M.2 — sinnvoll, wenn beides ausgereizt werden soll.
- B650E kann das oft auch, mit weniger Anschlüssen drumherum, und kostet deutlich weniger.
- B650 reicht für einen reinen Spielerechner meistens vollkommen.
Ehrlich gesagt: Meine RTX 5090 wird von PCIe 4.0 statt 5.0 kaum ausgebremst. Der Grund für dieses Board waren nie die Bandbreiten, sondern die Anschlüsse.
Für wen sich das lohnt
Ja, wenn du Thunderbolt oder schnelles Netzwerk wirklich benutzt — externe Schnittspeicher, ein Dock, ein Netzwerkspeicher im Haus. Und wenn du ein Board willst, das im Gehäuse ruhig aussieht statt bunt.
Eher nicht, wenn der Rechner ausschließlich spielt. Dann ist das Geld in einer besseren Grafikkarte oder einer größeren SSD unterwegs deutlich besser angelegt.
Genau hinschauen solltest du bei den M.2-Steckplätzen. Wer alle vier belegt, muss ins Handbuch schauen, welcher Steckplatz sich mit welchem Anschluss Bandbreite teilt. Das ist bei AM5 überall so, aber es überrascht trotzdem jedes Mal.
Mein Fazit nach dreieinhalb Jahren
Ein Mainboard ist dann gut, wenn man es vergisst. Dieses habe ich vergessen — bis auf die zwei Momente, in denen ich Hardware getauscht habe. Da war es dann auffällig angenehm.
Ob ich es wieder kaufen würde, hängt an einer einzigen Frage: Brauchst du Thunderbolt und 10-Gigabit? Wenn ja, ist der Aufpreis gut angelegt, weil beides als Steckkarte teurer und umständlicher wäre. Wenn nein, kauf ein günstigeres Board und steck die Differenz in Speicher.
Häufige Fragen
Passt der Ryzen 9 7950X3D auf dieses Board?
Ja. Das Board hat den Sockel AM5 und unterstützt die Ryzen-7000-Serie einschließlich der X3D-Modelle. Bei neueren Generationen kann ein BIOS-Update nötig sein.
Brauche ich für Thunderbolt eine Zusatzkarte?
Nein, die beiden Thunderbolt-4-Anschlüsse sind fest auf dem Board. Genau das ist auf AM5 der Ausnahmefall und einer der Gründe für den Preis.
Bringt 10-Gigabit-LAN zu Hause etwas?
Für den Internetanschluss nicht, den liefert kein Privatanschluss aus. Sinnvoll ist es nur im eigenen Netz, etwa zu einem Netzwerkspeicher, und auch nur, wenn Gegenstelle und Verkabelung mitspielen.
Soll ich alle vier Speichersteckplätze bestücken?
Besser nicht. Auf AM5 laufen zwei Riegel stabiler und schneller als vier. Wer mehr Speicher will, tauscht die beiden vorhandenen gegen größere.
Ist X670E gegenüber B650E den Aufpreis wert?
Nur wenn du die zusätzlichen Anschlüsse brauchst. Bei der reinen Spieleleistung ist der Unterschied im Alltag nicht zu bemerken.
Wie laut ist der Chipsatzlüfter?
Auf diesem Board gibt es keinen, der Chipsatz wird passiv gekühlt. Damit fällt eine der häufigsten Geräuschquellen auf X670-Boards weg.
Lässt sich die Grafikkarte gut ausbauen?
Ja, der obere Steckplatz hat einen Entriegelungsknopf. Bei einer großen Karte ist das kein Luxus, sondern der Unterschied zwischen zwei Minuten und einer halben Stunde Fummelei.
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