Elgato Green Screen XL: zwei Meter Stoff, die niemand mehr baut
Servus Leute,
es gibt zwei Wege, einen Hintergrund loszuwerden. Der eine ist Software, die das Bild analysiert und dich ausschneidet. Der andere ist grüner Stoff.
Der Software-Weg ist bequem und sieht bei genauem Hinsehen immer nach Software aus: ausgefranste Haare, flackernde Ränder, verschwundene Kopfhörerbügel. Der Stoff-Weg ist unbequem und sieht nach nichts aus — was genau der Punkt ist.
Der Elgato Green Screen XL ist der bequemste Vertreter des unbequemen Wegs: 200 × 182 Zentimeter, die sich aus einer Kassette am Boden hochziehen und danach wieder verschwinden. Und er hat einen Haken, der nichts mit dem Produkt zu tun hat — dazu gleich.
Was der Green Screen XL überhaupt ist
Eine Rollleinwand, wie man sie von Beamer-Leinwänden kennt, nur in Grün und andersherum: Die Kassette steht am Boden, der Stoff wird nach oben gezogen und rastet an zwei ausklappbaren Stützen ein.

Die Daten:
- 200 × 182 cm ausgefahren
- 210 × 12 × 12 cm eingefahren — ein Balken, der hinter einen Schrank passt
- 6,2 kg
- Stoff aus 100 % Polyester (DuPont Dacron), matt und knitterfrei
- Ursprünglicher Preis 199,99 Euro
Aufbau und Abbau dauern jeweils rund zehn Sekunden. Kein Werkzeug, kein Stativ, keine Klemmen.
Der Haken: Elgato baut ihn nicht mehr
Das ist der wichtigste Absatz, und er steht bewusst weit oben.
Elgato hat den Green Screen XL eingestellt und nennt ausdrücklich keinen direkten Nachfolger (Stand: August 2026). Was im Handel steht, sind Restbestände.
Was das praktisch bedeutet:
- Ersatzteile sind ein Risiko. Bei einem Gerät ohne Elektronik ist das überschaubar — was kaputtgehen kann, ist der Zugmechanismus und der Stoff selbst.
- Preise sind unberechenbar. Bei auslaufenden Produkten geht es in beide Richtungen: Erst Abverkauf, dann Knappheitsaufschlag. Ein Blick auf den aktuellen Preis lohnt.
- Ein Kauf ist trotzdem vertretbar, weil hier nichts veraltet. Ein Stück grüner Stoff auf einer Rolle funktioniert in zehn Jahren genauso.
Ich schreibe das nicht, um vom Kauf abzuraten, sondern weil es der Unterschied zwischen einer informierten und einer überraschten Entscheidung ist.
Warum die Größe der eigentliche Punkt ist

Es gibt denselben Greenscreen auch schmaler, und die schmale Fassung ist der häufigste Fehlkauf.
Der Greenscreen muss den gesamten Bildausschnitt füllen — auch wenn du dich bewegst. Bei einem sitzenden Menschen in einer engen Einstellung reichen 148 Zentimeter Breite. Sobald du stehst, gestikulierst, dich zur Seite drehst oder die Kamera etwas weiter weg steht, ist der Rand im Bild. Und ein sichtbarer Rand ist schlimmer als gar kein Greenscreen, weil die Software dann an der Kante ausfranst.
200 Zentimeter decken eine sitzende Person mit ausgestreckten Armen ab und lassen bei einer stehenden noch Spielraum. Das ist der Grund für die XL-Fassung — nicht Protzerei, sondern die Differenz zwischen „funktioniert" und „funktioniert nur, wenn ich stillsitze".
Die Höhe von 182 Zentimetern ist dagegen die Grenze: Für eine sitzende Person reichlich, für eine stehende knapp. Wer im Stehen aufnimmt, sollte die Kamera nicht zu hoch setzen.
Der Stoff ist der Unterschied

Wer schon einmal ein grünes Bettlaken an die Wand getackert hat, kennt beide Probleme: Falten und Glanz.
Falten erzeugen Schatten, und Schatten sind für die Software eine andere Farbe. An jeder Falte franst der Rand aus oder es bleiben grüne Fetzen stehen.
Glanz erzeugt helle Stellen, und helle Stellen sind ebenfalls eine andere Farbe. Billiger Polyesterstoff glänzt, sobald Licht darauf fällt.
Der Stoff hier ist matt und bleibt durch die Rollmechanik straff — das ist die eigentliche Leistung des Produkts. Nicht die Kassette, nicht die Optik, sondern dass die Fläche gleichmäßig grün ist.
Was der Greenscreen trotzdem nicht ersetzt: gleichmäßiges Licht. Ein perfekt gespannter Greenscreen mit einem hellen Fleck in der Mitte und dunklen Rändern ist nicht besser als ein Laken. Wer ihn beleuchtet, sollte das flächig tun — zwei Leuchten von links und rechts, nicht eine frontal. Und mindestens einen Meter Abstand zwischen Person und Stoff halten, sonst wirft das Grün einen Farbstich auf Haare und Schultern.
Technische Daten
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Modell | Elgato Green Screen XL |
| Fläche ausgefahren | 200 × 182 cm |
| Maße eingefahren | 210 × 12 × 12 cm |
| Gewicht | 6,2 kg |
| Material | 100 % Polyester (DuPont Dacron), matt |
| Aufbau | Rollmechanik mit ausklappbaren Stützen, ohne Werkzeug |
| Ursprünglicher Preis | 199,99 € |
| Verfügbarkeit | von Elgato eingestellt, kein direkter Nachfolger (Stand: August 2026) |
Herstellerangaben, Stand: August 2026.
Für wen sich das lohnt
- Ja, wenn du dich bewegst oder stehst. Dafür ist die Breite von 200 Zentimetern da.
- Ja, wenn der Greenscreen nicht dauerhaft stehen bleiben darf — eingefahren ist es ein Balken hinter dem Schrank.
- Ja, wenn dir die Software-Freistellung an den Haaren ausfranst. Das löst nur Stoff.
- Eher nicht, wenn du sitzend in enger Einstellung aufnimmst. Dann reicht die schmalere Fassung und spart Geld und Platz.
- Eher nicht, wenn du im Stehen aufnimmst und die Kamera hoch steht. 182 Zentimeter Höhe sind dann knapp.
- Eher nicht, wenn du keine zwei Leuchten für den Hintergrund übrig hast. Ungleichmäßig beleuchtet bringt der beste Stoff nichts.
- Genau hinschauen auf Preis und Verfügbarkeit. Das Produkt ist abgekündigt, und die Preise schwanken entsprechend.
Mein Fazit
Der Green Screen XL macht eine einzige Sache richtig gut: Er ist in zehn Sekunden da und in zehn Sekunden weg, und dazwischen ist er faltenfrei.
Dass Elgato ihn eingestellt hat, ist ärgerlich, ändert aber nichts an seiner Qualität — hier veraltet nichts. Wenn du im Handel einen zu einem vernünftigen Preis findest und dich beim Aufnehmen bewegst, ist es ein guter Kauf. Wenn du still sitzt und eng eingestellt bist, nimm die schmale Fassung und leg das gesparte Geld in zwei Leuchten für den Hintergrund. Das bringt mehr.
Produktabbildungen: Elgato (Corsair Gaming, Inc.).
Häufige Fragen
Gibt es den Elgato Green Screen XL noch?
Elgato hat ihn eingestellt und nennt keinen direkten Nachfolger. Im Handel gibt es Restbestände. Da hier nichts veraltet, ist ein Kauf trotzdem vertretbar — auf den Preis sollte man aber achten.
Reicht die schmalere Fassung nicht auch?
Für eine sitzende Person in enger Einstellung ja. Sobald du stehst, gestikulierst oder die Kamera weiter weg steht, ist der Rand im Bild — und ein sichtbarer Rand ist schlimmer als kein Greenscreen.
Wie schnell ist der Aufbau?
Rund zehn Sekunden. Kassette hinstellen, Stoff hochziehen, Stützen einrasten. Der Abbau geht genauso schnell, danach ist es ein 210 Zentimeter langer Balken.
Brauche ich zusätzliches Licht für den Greenscreen?
Ja, wenn das Ergebnis sauber sein soll. Die Fläche muss gleichmäßig hell sein — idealerweise zwei Leuchten von links und rechts. Ein heller Fleck in der Mitte macht die Freistellung wieder kaputt.
Wie viel Abstand brauche ich zum Stoff?
Mindestens einen Meter. Steht man zu nah, wirft das Grün einen Farbstich auf Haare und Schultern, den die Software dann mit ausschneidet.
Ist der Stoff wirklich faltenfrei?
Durch die Rollmechanik bleibt er straff, und das Material ist matt statt glänzend. Genau daran scheitern improvisierte Lösungen aus Bettlaken: Falten werfen Schatten, Glanz erzeugt helle Stellen, und beides ist für die Software eine andere Farbe.
Reicht nicht die Freistellung per Software?
Für Videokonferenzen meist ja. Für Aufnahmen, die man sich später ansieht, fällt sie an den Haaren und an bewegten Kanten auf. Wer das stört, kommt um Stoff nicht herum.
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