xTool X1: fünf Lasertypen in einem Gerät
Inhalt — 10 Abschnitte
Servus Leute,
ich hatte hier vor einer Woche über den angekündigten Bambu Lab R1 geschrieben und am Ende sinngemäß gesagt: Ende August wissen wir mehr. Ende August ist jetzt — und geliefert hat nicht Bambu, sondern xTool.
Am 27. August 2026 hat xTool den X1 gezeigt. Und ehrlich: Das ist genau das Gerät, auf das ich gewartet habe. Nicht noch ein Laser mit ein paar Watt mehr, sondern der Versuch, fünf verschiedene Lasertypen auf einen Tisch zu bringen — CO₂, Diode, Faser, MOPA und UV.
Hier ist zuerst der Teaser, mit dem xTool die Sache angekündigt hat:
xTool X1 — Teaser zum Technology Reveal, offizieller xTool-Kanal
Was xTool angekündigt hat
Vorgestellt wurde der X1 auf xTools erstem SME Summit in den USA, im Rahmen der Next Level Maker Conference in Grapevine, Texas. Einen Tag später, am 28. August, kam die Pressemitteilung für Europa hinterher — mit den ersten belastbaren Zahlen.
Das steht offiziell drin:
- ein 55-Watt-CO₂-Laserkopf ab Werk
- dazu ein Galvo-Kopf mit integriertem 20-Watt-Diodenlaser
- nachrüstbar per Laser Swap um 30 W Faser, 60 W MOPA und 5 W UV
- Bearbeitungsgeschwindigkeit bis zu 6.000 mm/s über den gesamten Arbeitsbereich (Herstellerangabe)
- Zielgruppe laut xTool: ambitionierte Maker, Laser-Fans und Händler auf Etsy und Shopify
Der komplette Reveal lief als Livestream mit ordentlich Bühne drumherum — wer die eineinhalb Stunden mitnehmen will, hier ist er:
xTool Reveal von der Next Level Maker Conference 2026, offizieller xTool-Kanal
Hybrid Motion: Gantry-Fläche, Galvo-Tempo
Das ist der Teil, der mich technisch am meisten interessiert — und der Grund, warum der X1 mehr ist als eine Kiste mit vielen Lasern drin.
Bisher musst du dich bei Lasern für eine von zwei Bauarten entscheiden:
Gantry heißt: Der Laserkopf hängt an einer Brücke und fährt mechanisch über das Werkstück. Das ergibt große Arbeitsflächen, ist aber langsam, weil Masse bewegt wird. Das ist die Bauart von P2S und P3.
Galvo heißt: Der Laserkopf steht still, zwei Spiegel lenken den Strahl. Das ist irrsinnig schnell, aber das Feld ist klein — beim F2 Ultra sind es 220 × 220 mm.
xTool nennt seine Lösung Hybrid Motion: ein koordiniertes Vier-Achs-System, das beides kombiniert. Die Brücke schleppt den Galvo-Kopf über die Fläche, der Galvo-Kopf arbeitet gleichzeitig in seinem lokalen Feld. xTool nennt das Flying Galvo — und genau daher kommen die 6.000 mm/s „über den gesamten Arbeitsbereich".
Wenn das im Alltag hält, ist es der eigentliche Fortschritt: Galvo-Tempo auf Gantry-Fläche. Der wunde Punkt dabei ist die Naht zwischen zwei Scanfeldern — dort, wo das lokale Feld endet und die Brücke ein Stück weiterfährt. xTool spricht von über 1.000 Kalibrierläufen, um genau diese Übergänge sauber zu bekommen. Das ist eine Herstellerangabe und keine Messung, und es ist die erste Sache, die ich mir bei einem Test ansehen würde.
Laser Swap: fünf Lasertypen, ein Strahlengang
Der zweite Baustein heißt Laser Swap. Verschiedene Laserquellen laufen über einen gemeinsamen Strahlengang und denselben Galvo-Kopf — du tauschst also nicht das Gerät, sondern das Modul.
Warum das überhaupt wichtig ist: Watt lösen dieses Problem nicht. Jede Wellenlänge kann etwas anderes, und daran ändert kein Netzteil etwas.
| Laserquelle | Im X1 | Wofür man sie braucht |
|---|---|---|
| CO₂ 55 W | eingebaut | Schneiden: Holz, Acryl auch klar, Papier, Leder, Glas gravieren |
| Diode 20 W | eingebaut im Galvo-Kopf | Holz, Leder, dunkles Acryl, beschichtetes Metall |
| Faser 30 W | Modul | blankes Metall gravieren und tief markieren |
| MOPA 60 W | Modul | Metall farbig markieren, Eloxal abtragen |
| UV 5 W | Modul | Kunststoff, Glas und Empfindliches ohne große Hitze |
Ein Diodenlaser geht durch klares Acryl und Glas einfach hindurch, statt sie zu bearbeiten — dafür brauchst du CO₂. Metall wiederum ist die Sache von Faser und MOPA. Wer das alles können will, kauft heute mehrere Geräte. Genau da setzt der X1 an.
UniCast: ein Rahmen aus drei Gussteilen
Klingt nach Marketing, ist aber der unspektakulär wichtigste Teil: Wenn eine Brücke schnell fährt und gleichzeitig zwei Strahlengänge in Bewegung sind, entscheidet die Steifigkeit des Rahmens darüber, ob die Gravur nach zwei Stunden noch dort sitzt, wo sie hingehört.
xTool gießt den Rahmen deshalb im 4.000-Tonnen-Hochdruck-Druckguss aus einer Aluminiumlegierung in Automobilqualität. Laut Hersteller ersetzen drei monolithische Gussstrukturen knapp 100 montierte Einzelteile und mehr als 268 Schrauben. Weniger Fügestellen heißt weniger Toleranz, die sich addieren kann — und weniger, was sich über Monate lockerarbeitet.
Was dasselbe heute kostet
Der X1 hat noch keinen Preis. Was man aber vergleichen kann: was du heute ausgeben musst, um dieselben Aufgaben abzudecken. Das sind die aktuellen Preise aus xTools deutschem Shop.


| Gerät | Was drinsteckt | Preis bei xTool Deutschland |
|---|---|---|
| P2S | 55 W CO₂, Gantry | 2.999 € statt 4.365,38 € |
| P3 | 80 W CO₂, Gantry, große Fläche | 6.929 € |
| F2 Ultra | 60 W MOPA und 40 W Diode, Galvo | 4.709 € statt 5.756,97 € |
| F2 Ultra UV | 5 W UV, Galvo | 4.259 € statt 4.559 € |
Preise abgerufen am 29. August 2026 bei de.xtool.com. Angebotspreise ändern sich täglich.
Wer CO₂ und Metall auf dem Tisch haben will, zahlt heute für P2S plus F2 Ultra also gut 7.700 € — und hat dann zwei Geräte, zwei Stellplätze und zwei Arbeitsabläufe. Was der X1 kosten darf, damit sich das rechnet, kannst du dir daraus selbst ausrechnen. Ich rechne nicht mit einem Schnäppchen.
Was xTool nicht gesagt hat
Und jetzt der Teil, den ich bei so einer Ankündigung immer für den ehrlichsten halte — die Lücken. Nicht bekannt ist bisher:
- der Preis, weder für das Gerät noch für die einzelnen Module
- die Arbeitsfläche in Millimetern — es heißt nur „großformatig"
- Schnittstärken in Holz oder Acryl
- ob LightBurn unterstützt wird oder nur xTools eigene Software
- Sicherheitsklasse, Absaugung, Flammenerkennung — bei einem Gerät mit CO₂ und Faser im selben Gehäuse alles andere als nebensächlich
- wie ein Modulwechsel praktisch abläuft und ob die Kalibrierung ihn übersteht
- ob Kamera und Autofokus an Bord sind — dazu kursieren Angaben, die ich nirgends belegt finde
Dass zum Reveal keine Arbeitsfläche genannt wurde, ist bei einem Gerät, dessen Kernversprechen „großes Format plus Tempo" lautet, schon auffällig. Ich werte das als: Es ist noch nicht final.
Und was macht Bambu Lab?

Kurz: nichts. Bambu Lab hatte am 14. August den R1 angeteasert und die Spezifikationen für Ende August versprochen. Stand heute, 29. August, steht dort weiterhin „Coming September" und sonst nichts — kein Lasertyp, keine Leistung, keine Fläche, kein Preis.
Damit hat xTool das Zeitfenster genutzt. Und die beiden Firmen zielen ohnehin auseinander: Bambu kommt vom Einstieg her, mit Bedienung und Ökosystem als Argument. Der X1 ist ein Werkzeug für Leute, die mit dem Gerät Geld verdienen — Etsy, Shopify, Kleinserien.
Nebenbei, weil es zu Verwechslungen einlädt: Der Bambu Lab X1 Carbon, der bei mir seit Anfang 2025 steht, hat mit dem xTool X1 nichts zu tun außer dem Namen. „X1" ist in dieser Branche gerade sehr beliebt.
Die Termine im Überblick
| Wann | Was |
|---|---|
| 27. August 2026 | Reveal auf dem xTool SME Summit in den USA |
| 28. August 2026 | Pressemitteilung mit den ersten Daten |
| 4. bis 8. September 2026 | IFA Berlin, Halle 20, Stand 127 — dort steht das Gerät |
| Ende September 2026 | Reservierung mit Anzahlung startet |
| Ende Oktober 2026 | Verkaufsstart in Deutschland geplant |
| offen | Preis, Arbeitsfläche, Auslieferung |
Zusätzlich hat xTool auf derselben Bühne die erste eigene Stickmaschine gezeigt. Name, Daten und Termin dazu: bisher keine. Und der im Juli gestartete O1 Omni Printer hat laut xTool am ersten Verkaufstag über 6.000 Einheiten und mehr als 20 Millionen US-Dollar Umsatz gemacht — die Firma hat also gerade Rückenwind.
Was ich davon halte
Ich finde den Ansatz richtig. Der Ärger beim Lasern ist nicht die fehlende Leistung, sondern die Zersplitterung: ein Gerät für Holz, eins für Metall, eins für klares Acryl, jedes mit eigener Ecke im Raum, eigener Absaugung und eigenem Arbeitsablauf. Ein Gerät, das nur das Modul tauscht statt den ganzen Kasten, spart Platz, Geld und vor allem Umgewöhnung.
Zwei Dinge bremsen meine Begeisterung. Erstens: Ein Alleskönner ist selten der Beste in einer Disziplin. Wer den ganzen Tag Metall markiert, fährt mit einem reinen Galvo womöglich weiter schneller. Zweitens: Ohne Preis und Arbeitsfläche ist das eine schöne Erzählung. Ende September wird es konkret, wenn die Anzahlung fällig wird — und eine Anzahlung ohne Preis und ohne Zahlen wäre mir persönlich zu früh.
Mein Plan: Ende Oktober abwarten, dann die echten Daten gegen das halten, was P2S und F2 Ultra zusammen kosten. Wenn der X1 die 6.000 mm/s auch bei einem ganzen Auftrag hält und nicht nur im Datenblatt, wird das ein sehr spannendes Gerät.
Und ihr so? Wartet ihr auf den X1, oder habt ihr euren Laser längst und seid zufrieden? Schreibt es mir in die Kommentare — mich interessiert vor allem, wer von euch wirklich mehrere Geräte nebeneinander stehen hat.
Produktfotos: xTool, aus dem offiziellen Pressematerial beziehungsweise von de.xtool.com (für redaktionelle Verwendung freigegeben). Teaserbild zum R1: Bambu Lab.
Häufige Fragen
Was ist der xTool X1?
Eine All-in-One-Laserplattform, die xTool am 27. August 2026 vorgestellt hat. Sie kombiniert einen 55-Watt-CO₂-Laserkopf mit einem Galvo-Kopf samt 20-Watt-Diodenlaser und lässt sich um Faser-, MOPA- und UV-Module erweitern.
Wann kommt der xTool X1 und was kostet er?
Die Reservierung mit Anzahlung soll Ende September 2026 starten, der Verkauf in Deutschland Ende Oktober 2026. Einen Preis hat xTool bisher nicht genannt.
Welche Laser stecken im xTool X1?
Ab Werk ein 55-Watt-CO₂-Laser und ein 20-Watt-Diodenlaser im Galvo-Kopf. Über Laser Swap kommen später ein 30-Watt-Faserlaser, ein 60-Watt-MOPA-Laser und ein 5-Watt-UV-Laser dazu, alle über denselben Strahlengang.
Was bedeutet Hybrid Motion beim xTool X1?
Ein koordiniertes Vier-Achs-System, das die Bewegung eines Gantry-Systems mit dem schnellen Scannen eines Galvo-Lasers verbindet. Laut xTool sind so bis zu 6.000 mm/s über den gesamten Arbeitsbereich möglich.
Wie groß ist die Arbeitsfläche des xTool X1?
Unbekannt. xTool spricht bisher nur von großformatiger Bearbeitung und hat keine Maße genannt. Auch Schnittstärken fehlen.
Kann man den xTool X1 auf der IFA sehen?
Ja. xTool zeigt ihn vom 4. bis 8. September 2026 auf der IFA in Berlin in Halle 20 an Stand 127.
Lohnt es sich, für den xTool X1 auf den Bambu Lab R1 zu warten?
Beide zielen auf unterschiedliche Käufer. Der R1 hat bis heute weder Lasertyp noch Leistung noch Preis bestätigt, während beim X1 wenigstens die Bestückung feststeht. Wer heute einen Laser braucht, kauft heute — beide Termine sind Ankündigungen, keine Lieferzusagen.
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