Amaran 300c: das Licht, ab dem der Rest egal wird
Servus Leute,
es gibt in jedem Setup einen Punkt, an dem man aufhört, an einer Stellschraube zu drehen. Beim Licht war das bei mir der Amaran 300c.
Vorher habe ich Leuchten nach oben gedreht und gehofft, dass es reicht. Seitdem stelle ich sie nach unten. 300 Watt und 26.580 Lux auf einen Meter sind so viel Reserve, dass die Frage nach der Helligkeit schlicht nicht mehr vorkommt — und das verändert, wie man arbeitet.
Was der Artikel beantwortet: was die Leuchte kann, warum du sie nicht ohne Lichtformer kaufen solltest und ab wann die kleinere Ausführung die klügere Wahl ist.
Was der Amaran 300c überhaupt ist
Ein Punktstrahler mit Bowens-Bajonett — also der Bauform, die seit Jahrzehnten Standard ist und für die es Zubehör von jedem Hersteller gibt.

Die Kennzahlen:
- 300 Watt Leistungsaufnahme, RGBWW-Vollfarbmischung
- Farbtemperatur 2.500 bis 7.500 K durchstimmbar
- CRI 95+, TLCI 95+, TM-30 Rf 92, Rg 101
- 26.580+ Lux auf 1 Meter mit dem beiliegenden Hyper Reflector bei 5.600 K
CRI 95+ ist dabei der Wert, der im Alltag zählt und den man beim Vergleich mit Billigleuchten übersieht: Er beschreibt, wie natürlich Farben wiedergegeben werden. Bei schlechter Farbwiedergabe sehen Hauttöne fahl oder grünstichig aus, und das lässt sich hinterher nur mühsam retten.
Gesteuert wird per App über Bluetooth oder direkt am Gerät. Im Karton liegen Leuchte, Netzteil mit Kabel, Schutzkappe, Hyper Reflector und ein Koffer.
Der wichtigste Hinweis: kauf sie nicht nackt
Das ist der Absatz, den ich mir vor dem ersten Kauf gewünscht hätte.
Eine 300-Watt-Punktlichtquelle mit Reflektor ist hart. Sehr hart. Sie wirft scharfe Schatten, zeichnet jede Unebenheit im Gesicht nach und sieht aus wie ein Verhörraum. Das ist kein Mangel — genau dafür ist ein Punktstrahler da. Aber es ist nicht das, was die meisten wollen, wenn sie „gutes Licht" sagen.
Was du willst, ist weiches Licht, und weiches Licht entsteht durch Fläche. Eine Softbox macht aus der kleinen, harten Quelle eine große, weiche. Erst damit sieht das Ergebnis aus wie das, wofür man die Leuchte gekauft hat.
Deshalb: Rechne den Lichtformer von Anfang an mit ein. Was dabei zur Auswahl steht — Softbox, Barndoors, Gitter — steht in einem eigenen Artikel über die Bowens-Lichtformer.
Ein paar Monate Alltag — was sich geändert hat

Drei Dinge, die ich unterschätzt hatte.
Erstens: Reserve ist Freiheit. Wenn die Leuchte auf 20 Prozent läuft, kann man sie weiter weg stellen, durch eine größere Softbox schicken oder gegen die Decke werfen — alles Dinge, die Licht kosten. Mit einer schwachen Leuchte ist man gezwungen, sie nah und direkt zu setzen. Genau da wird es unschön.
Zweitens: Farbe ist kein Spielkram. Ich habe die RGB-Funktion für Effekthascherei gehalten. Tatsächlich benutze ich sie hauptsächlich für Kleinigkeiten: das vorhandene Licht im Raum treffen, damit nicht zwei verschiedene Weißtöne im Bild sind. Zwei Grünstiche gegeneinander auszugleichen, ist die häufigste Anwendung — nicht buntes Hintergrundlicht.
Drittens: die Lüftung. Amaran gibt für die Reihe eine leise aktive Kühlung an, und im Vergleich zu älteren Leuchten stimmt das auch. Lautlos ist sie nicht. In einem Raum mit SM7B und ordentlichem Abstand fällt sie nicht auf; direkt neben einem Kondensatormikrofon würde ich sie nicht stellen.
300c oder 100d S?
Die Frage stellt sich zwangsläufig, und die Antwort ist nicht „mehr ist besser".
Nimm den 300c, wenn du eine große Softbox betreiben, gegen Tageslicht anleuchten oder einen Raum ausleuchten willst. Und wenn du Farbe brauchst.
Nimm den 100d S, wenn du eine Person an einem Schreibtisch beleuchtest, immer bei Kunstlicht arbeitest und mit Tageslichtweiß auskommst. Er ist deutlich günstiger, leichter, und 34.600 Lux auf einen Meter — mehr als der 300c, weil die gebündelte Tageslicht-LED effizienter ist als die Vollfarbmischung.
Das ist die Zahl, die viele überrascht: Der kleinere ist im reinen Weißlicht heller. Der 300c kauft seine 300 Watt nicht in Helligkeit ein, sondern in Farbe.

Technische Daten
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Modell | amaran 300c |
| Bauart | Punktstrahler, RGBWW-Vollfarbe |
| Leistung | 300 W |
| Farbtemperatur | 2.500 – 7.500 K, durchstimmbar |
| Farbwiedergabe | CRI 95+, TLCI 95+, TM-30 Rf 92, Rg 101 |
| Lichtleistung | 26.580+ lux auf 1 m mit Hyper Reflector (5.600 K) |
| Bajonett | Bowens |
| Steuerung | am Gerät und per App über Bluetooth |
| Kühlung | aktiv, laut Hersteller leise |
| Stromversorgung | Netzteil mit Kabel (im Lieferumfang) |
| Lieferumfang | Leuchte, Netzteil, AC-Kabel, Schutzkappe, Hyper Reflector, Koffer |
Herstellerangaben, Stand: August 2026.
Für wen sich das lohnt
- Ja, wenn du eine große Softbox betreiben willst. Dafür braucht es die Reserve.
- Ja, wenn du gegen Tageslicht aus einem Fenster ankommen musst.
- Ja, wenn du Farbe brauchst — sei es für Effekte oder um vorhandenes Licht zu treffen.
- Ja, wenn dir Farbwiedergabe wichtig ist. CRI 95+ ist der Unterschied zu Billigleuchten.
- Eher nicht, wenn du eine einzelne Person am Schreibtisch beleuchtest und mit Weißlicht auskommst. Dann ist der 100d S günstiger und im Weißlicht sogar heller.
- Eher nicht, wenn du sie ohne Lichtformer kaufen willst. Nackt ist sie hart und unschön.
- Genau hinschauen, wenn im selben Raum ein empfindliches Mikrofon steht. Die Kühlung ist leise, aber nicht lautlos.
- Genau hinschauen, wenn dein Stativ leicht ist. Leuchte plus große Softbox ergibt einen ordentlichen Hebel.
Mein Fazit
Der 300c ist die Leuchte, nach der man aufhört, über Licht nachzudenken — und das ist als Lob gemeint. Man stellt sie hin, dreht auf 30 Prozent und arbeitet.
Was ich mitgeben will, ist der eine Satz von oben: Die Leuchte allein ist der halbe Kauf. Wer sie nackt bestellt und sich über hartes, unschönes Licht wundert, hat nicht zu wenig Geld ausgegeben, sondern es an der falschen Stelle. Softbox einplanen, dann stimmt das Ergebnis vom ersten Tag an.
Produktabbildungen: Aputure Imaging Industries / amaran.
Häufige Fragen
Brauche ich zum Amaran 300c unbedingt eine Softbox?
Praktisch ja. Mit dem beiliegenden Reflektor ist das Licht sehr hart und wirft scharfe Schatten. Für Gesichter braucht es eine große, weiche Fläche — also eine Softbox oder ein anderer Lichtformer am Bowens-Bajonett.
Was bedeutet CRI 95+?
Die Farbwiedergabe. Je höher der Wert, desto natürlicher erscheinen Farben, besonders Hauttöne. Billige LED-Leuchten liegen deutlich darunter, und das sieht man dem Bild an — meist als fahler oder grünlicher Teint.
Ist der 300c heller als der 100d S?
Im reinen Weißlicht nicht. Der 100d S kommt auf 34.600 Lux bei einem Meter, der 300c auf 26.580. Die 300 Watt gehen in die Vollfarbmischung, nicht in maximale Helligkeit.
Wie laut ist die Kühlung?
Amaran gibt für die Reihe eine leise aktive Kühlung an. Hörbar bleibt sie. Mit einem dynamischen Mikrofon und etwas Abstand ist das unkritisch, direkt neben einem empfindlichen Kondensatormikrofon nicht.
Wofür brauche ich die Farbfunktion wirklich?
Am häufigsten nicht für bunte Effekte, sondern um vorhandenes Licht im Raum zu treffen. Wenn Deckenlampe und Leuchte unterschiedliche Weißtöne haben, sieht das Bild unruhig aus — mit der Farbmischung gleicht man das an.
Passt Zubehör anderer Hersteller?
Ja, das ist der Vorteil des Bowens-Bajonetts. Softboxen, Reflektoren und Vorsätze praktisch aller Hersteller passen, solange sie für die Leistungsklasse ausgelegt sind.
Kann ich die Leuchte per App steuern?
Ja, über Bluetooth mit der App des Herstellers, und alternativ direkt am Gerät. Für mehrere Leuchten ist die App der bequemere Weg.
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