Amaran 100d S: das Arbeitslicht, das man nicht bereut
Servus Leute,
im Artikel zum Amaran 300c steht eine Zahl, die viele beim Lesen zweimal anschauen: Der kleinere 100d S ist im reinen Weißlicht heller als der dreimal so starke Farbscheinwerfer.
34.600 Lux auf einen Meter gegen 26.580. Das ist kein Messfehler und auch kein Marketing — es ist der Preis, den Vollfarbmischung kostet.
Genau deshalb ist der 100d S bei mir die Leuchte, die am häufigsten läuft. Hier steht, warum, und wo die Grenze verläuft.
Was der Amaran 100d S überhaupt ist
Ein Punktstrahler mit Bowens-Bajonett und 100 Watt Leistung, der ausschließlich Tageslichtweiß mit 5.600 K abgibt. Keine Farbe, keine Farbtemperaturverstellung — eine Farbe, und die richtig.

Die Werte, auf die es ankommt:
- CRI 96+, TLCI 99+, TM-30 Rf 96, Rg 103
- bis 34.600 Lux auf 1 Meter mit dem beiliegenden Hyper Reflector
- Lüfter unter 25 dB laut Hersteller
- Gesamtgewicht rund 3,45 kg
TLCI 99+ ist dabei der bemerkenswerteste Wert. TLCI misst die Farbwiedergabe speziell für Kameras — 99 von 100 heißt praktisch, dass die Kamera nichts korrigieren muss. Das merkt man nicht beim Anschauen der Leuchte, sondern beim Schneiden, wenn Hauttöne einfach stimmen.
Warum Weißlicht heller ist als Farblicht
Der Absatz, der die Kaufentscheidung erklärt.
Eine Tageslicht-LED hat eine Aufgabe: möglichst viel weißes Licht erzeugen. Die gesamte Chipfläche arbeitet daran.
Eine RGBWW-LED muss dieselbe Fläche auf mehrere Farbkanäle aufteilen. Für weißes Licht laufen dann nicht alle Kanäle voll mit, und Teile der Fläche tragen wenig bei. Dafür bekommt man jede Farbe und jede Farbtemperatur zwischen 2.500 und 7.500 K.
Praktisch heißt das:
- Wer Farbe braucht, zahlt sie in Helligkeit und Geld.
- Wer kein Farbe braucht, bekommt für weniger Geld mehr Licht.
Und der ehrliche Zusatz: Die meisten brauchen keine Farbe. Ein Gesicht wird mit weißem Licht beleuchtet, und ein farbiges Hintergrundlicht macht man günstiger mit einer LED-Röhre als mit einem 300-Watt-Scheinwerfer.
Ein paar Monate Alltag — was zählt

Der Lüfter. Unter 25 dB ist eine Angabe, die man erst schätzt, wenn im selben Raum ein Mikrofon steht. Der 100d S ist so leise, dass er auf der Aufnahme nicht auffällt — das ist bei Leuchten dieser Leistungsklasse nicht selbstverständlich und für mich das stärkste Argument gegenüber billigeren Alternativen.
Das Gewicht. 3,45 Kilogramm klingen nach wenig und sind es für eine Leuchte auch. Aber zusammen mit einer großen Softbox entsteht ein Hebel, der leichte Stative kippen lässt. Ein ordentliches Stativ mit breitem Fuß gehört dazu, und zwar von Anfang an.
Die Bedienung am Gerät. Ein Drehregler, ein Display, fertig. Ich habe die App zwar eingerichtet, benutze sie aber selten — bei einer einzelnen Leuchte ist der Griff ans Gerät schneller als das Entsperren des Handys. Interessant wird die App erst ab mehreren Leuchten.
Auch hier gilt: nicht ohne Lichtformer

Derselbe Hinweis wie beim großen Bruder, und er ist genauso wichtig:
Ein Punktstrahler mit Reflektor macht hartes Licht. Scharfe Schatten, betonte Hautstruktur, Verhörraum-Optik. Für Gesichter braucht es eine große, weiche Fläche.
Bei 100 Watt ist die Rechnung sogar noch etwas enger als bei 300: Eine große Softbox schluckt ordentlich Licht. Mit einer mittleren Softbox in anderthalb Metern Abstand ist der 100d S komfortabel; mit einer sehr großen Box und drei Metern Abstand wird es knapp.
Was passt und was es kostet, steht im Artikel über die Bowens-Lichtformer.
Technische Daten
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Modell | amaran 100d S |
| Bauart | Punktstrahler, Tageslicht |
| Leistung | 100 W |
| Farbtemperatur | 5.600 K, nicht verstellbar |
| Farbwiedergabe | CRI 96+, TLCI 99+, TM-30 Rf 96, Rg 103, SSI (D56) 86+ |
| Lichtleistung | bis 34.600 lux auf 1 m mit Hyper Reflector |
| Bajonett | Bowens |
| Steuerung | am Gerät und per App über Bluetooth |
| Lüfter | unter 25 dB laut Hersteller |
| Gewicht | rund 3,45 kg |
| Lieferumfang | Leuchtenkopf, Bowens-Schutzkappe, Hyper Reflector, Netzteil mit Kabel |
Herstellerangaben, Stand: August 2026.
Für wen sich das lohnt
- Ja, wenn du eine Person ausleuchtest und mit Tageslichtweiß auskommst. Der Normalfall.
- Ja, wenn im selben Raum ein Mikrofon steht. Unter 25 dB ist hier das entscheidende Argument.
- Ja, wenn dir Farbwiedergabe wichtig ist. TLCI 99+ heißt: die Kamera muss nichts retten.
- Ja, wenn du Geld sparen und trotzdem nicht am Licht sparen willst.
- Eher nicht, wenn du farbiges Licht brauchst. Dann führt kein Weg am 300c oder einer Farbröhre vorbei.
- Eher nicht, wenn du eine sehr große Softbox aus großer Entfernung betreiben willst. Dafür fehlt die Reserve.
- Genau hinschauen beim Stativ. Leuchte plus Softbox ergibt einen langen Hebel.
- Genau hinschauen, wenn du gegen helles Fensterlicht ankommen musst. Dann ist mehr Leistung sinnvoll.
Mein Fazit
Der 100d S ist die unspektakulärste Leuchte in meinem Setup und die, die am häufigsten eingeschaltet wird. Sie kann genau eine Sache, und die kann sie sehr gut und sehr leise.
Wer sich zwischen ihr und der großen Farbleuchte entscheiden muss, sollte ehrlich prüfen, wie oft farbiges Licht tatsächlich gebraucht wird. Bei mir ist die Antwort: selten — und dafür gibt es billigere Wege als 300 Watt Vollfarbe.
Produktabbildungen: Aputure Imaging Industries / amaran.
Häufige Fragen
Ist der Amaran 100d S wirklich heller als der 300c?
Im reinen Weißlicht ja: 34.600 Lux auf einen Meter gegenüber 26.580. Der 300c investiert seine Leistung in die Vollfarbmischung, nicht in maximale Helligkeit.
Kann der 100d S die Farbtemperatur verstellen?
Nein. Er gibt fest 5.600 K Tageslichtweiß ab. Wer zwischen Warm- und Kaltweiß wechseln will, braucht ein Modell mit verstellbarer Farbtemperatur.
Wie laut ist die Leuchte?
Der Hersteller nennt unter 25 dB für den Lüfter. In der Praxis heißt das: Sie fällt neben einem Mikrofon nicht auf — ein wesentlicher Unterschied zu billigeren Leuchten.
Brauche ich eine Softbox?
Für Gesichter praktisch ja. Mit dem beiliegenden Reflektor ist das Licht hart. Bei 100 Watt sollte die Softbox allerdings nicht zu groß sein, sonst wird es knapp.
Was bedeutet TLCI 99+?
TLCI beschreibt die Farbwiedergabe aus Sicht einer Kamera. 99 von 100 heißt, dass praktisch nichts nachkorrigiert werden muss — sichtbar wird das an natürlichen Hauttönen.
Passt Zubehör anderer Hersteller?
Ja, das Bowens-Bajonett ist Standard. Softboxen, Reflektoren und Vorsätze anderer Marken passen, solange sie für die Leistungsklasse ausgelegt sind.
Reicht ein leichtes Stativ?
Für die Leuchte allein ja, mit Softbox nicht. Rund 3,45 Kilogramm plus eine große Fläche ergeben einen erheblichen Hebel — ein Stativ mit breitem Fuß gehört dazu.
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